Wie Networking meine berufliche Entwicklung seit 20 Jahren begleitet
- Dr. Johannes Ripken

- vor 4 Tagen
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Heute vor genau 13 Jahren habe ich in England meine Doktorwürde erhalten.
Vier Jahre lang hatte ich an meiner Dissertation zur identitätsorientierten Künstlermarkenentwicklung gearbeitet. Inhaltlich beschäftigte ich mich damit, wie Künstlerinnen und Künstler eine Marke entwickeln können, die nicht künstlich konstruiert wird, sondern auf ihrer tatsächlichen Identität aufbaut.
Viele der Erkenntnisse aus dieser Zeit begleiten mich noch heute.
Sie prägen meine Sicht auf Personal Brands und Markenentwicklung. Sie fließen in meine heutige Arbeit ein. Und sie spielen auch in meinen Networking-Trainings eine Rolle. Denn sowohl bei Marken als auch bei geschäftlichen Beziehungen geht es um Wahrnehmung, Glaubwürdigkeit, Vertrauen und langfristige Konsistenz.
Beim Rückblick auf meine Promotion wird mir aber noch etwas anderes bewusst:
Ohne Networking hätte ich diesen Weg vermutlich gar nicht gehen können.
Die entscheidenden Begegnungen fanden Jahre vorher statt
Bevor ich meine wissenschaftliche Arbeit begann, war ich unter anderem in der Musikproduktion und für Universal Music tätig.
In diesem Umfeld nahm ich 2007 und 2008 an der Popkomm teil. Dort lernte ich durch meine damalige Arbeit und mein bestehendes Netzwerk die entscheidenden Personen der Universität und dessen Umfeld kennen. Aus diesen Begegnungen entstand später die Möglichkeit, mit einem Stipendium an der Universität zu studieren und zu promovieren.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Networking häufig funktioniert:
Die entscheidende Wirkung einer Begegnung erkennen wir nicht unbedingt in dem Moment, in dem sie stattfindet.
Ein Gespräch auf einer Veranstaltung ist zunächst einmal nur ein Gespräch. Ob daraus später ein fachlicher Austausch, eine Empfehlung, eine Zusammenarbeit oder sogar ein neuer beruflicher Weg entsteht, zeigt sich manchmal erst Jahre später.
Auch Forschung braucht Beziehungen
Networking war nicht nur für den Zugang zur Universität wichtig.
Für meine Doktorarbeit führte ich qualitative Interviews mit Expertinnen und Experten. Dafür brauchte ich Menschen, die nicht nur über relevantes Wissen verfügten, sondern auch bereit waren, sich Zeit zu nehmen und ihre Erfahrungen offen mit mir zu teilen.
Dass diese Gespräche möglich wurden, lag nicht allein an meinem Thema oder einer professionell formulierten Anfrage.
Entscheidend waren auch die Beziehungen, die ich zuvor aufgebaut hatte.
Menschen waren bereit, mich zu unterstützen, Kontakte herzustellen oder selbst an den Interviews teilzunehmen, weil bereits Vertrauen vorhanden war.
Gerade bei qualitativer Forschung ist das besonders wichtig. Gute Antworten entstehen selten, wenn Menschen lediglich einen Fragenkatalog abarbeiten. Sie entstehen, wenn Gesprächspartner offen sprechen, Zusammenhänge erklären und auch persönliche Einschätzungen teilen.
Networking ist mehr als der Zugang zu neuen Kontakten
Wenn über Networking gesprochen wird, denken viele zunächst an das Kennenlernen neuer Menschen.
Meine eigene Erfahrung zeigt jedoch, dass der Aufbau eines Netzwerks nur der Anfang ist.
Entscheidend ist, was danach passiert:
Bleibt man miteinander in Verbindung?
Zeigt man Interesse an der Entwicklung des anderen?
Teilt man Wissen und Erfahrungen?
Unterstützt man sich, wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt?
Ist bereits Vertrauen vorhanden, wenn eine konkrete Anfrage entsteht?
Der Wert eines Netzwerks liegt nicht allein in der Anzahl der gespeicherten Kontakte. Er liegt in der Qualität der Beziehungen und in der Bereitschaft, diese Beziehungen über längere Zeit zu pflegen.
Beziehungen öffnen nicht automatisch Türen
Networking bedeutet für mich nicht, Beziehungen mit dem Ziel aufzubauen, möglichst schnell einen persönlichen Vorteil zu erhalten.
Eine Beziehung ist kein Anspruch auf ein Stipendium, ein Interview, eine Empfehlung oder einen Auftrag. Sie kann aber eine Grundlage schaffen.
Menschen empfehlen eher Personen, deren Arbeit und Haltung sie einschätzen können. Sie nehmen sich eher Zeit für ein Gespräch, wenn bereits gegenseitiges Interesse und Verlässlichkeit vorhanden sind. Und sie öffnen eher Türen, wenn sie davon überzeugt sind, dass die Verbindung für beide Seiten sinnvoll ist.
Genau deshalb beginnt wirksames Networking lange vor einer konkreten Anfrage.
Ein roter Faden durch meine berufliche Entwicklung
Schon vor rund 20 Jahren war Networking ein zentraler Bestandteil meiner beruflichen Entwicklung, auch wenn ich es damals noch nicht so systematisch betrachtet habe wie heute.
Die Kontakte und Beziehungen aus der Musikindustrie ermöglichten neue Perspektiven für meine Doktorarbeit. Die inhaltlichen Erkenntnisse meiner Dissertation prägen heute meine Arbeit zu Personal Branding und Markenentwicklung.
Und die Erfahrungen aus all diesen Stationen fließen wiederum in meine heutigen Networking-Trainings ein. Manchmal auch mit spannenden, erkenntnisreichen oder lustigen Anekdoten.
Rückblickend ist daraus ein klarer roter Faden entstanden:
Fachliche Kompetenz ist wichtig. Engagement und Ausdauer sind unverzichtbar. Aber viele berufliche Entwicklungen werden erst möglich, weil Menschen Vertrauen schenken, Wissen teilen, Empfehlungen aussprechen oder eine Verbindung herstellen.
Networking wirkt häufig langfristig
Eine der wichtigsten Eigenschaften eines tragfähigen Netzwerks ist, dass seine Wirkung nicht immer planbar ist.
Nicht jede Beziehung führt zu einer konkreten Gelegenheit. Nicht jedes Gespräch hat eine erkennbare berufliche Konsequenz. Und nicht jeder Kontakt muss strategisch genutzt werden.
Trotzdem können Begegnungen eine Bedeutung entwickeln, die wir erst Jahre später verstehen.
Das ist für mich einer der Gründe, warum Networking nicht nur dann stattfinden sollte, wenn wir gerade etwas benötigen.
Wer Beziehungen ausschließlich anlassbezogen aktiviert, beginnt häufig zu spät. Wer dagegen kontinuierlich Interesse zeigt, zuverlässig handelt und mit anderen im Austausch bleibt, schafft über die Zeit ein belastbares Netzwerk.
Meine Promotion liegt inzwischen 13 Jahre zurück.
Die Erkenntnisse aus der Forschung nutze ich noch heute. Und die Beziehungen, die diesen Weg überhaupt ermöglicht haben, erinnern mich daran, wie langfristig Networking wirken kann.
Vielen Dank, Paul, Darren, Gill und Rachel für euer Vertrauen und unsere intensive Zusammenarbeit damals!



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