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  • AutorenbildDr. Johannes Ripken

Geschäftliche Weihnachtsgrüße: Zwischen Tradition, Informationsflut und Wertschätzung


Bildnachweis: Foto von Annie Spratt auf Unsplash


Jedes Jahr ab Mitte Dezember werden die Postfächer und E-Mail Ordner mit Weihnachtsgrüßen gefüllt. Eine Tradition, die je nach Unternehmen und Personen sehr unterschiedlich gelebt wird: von einem kleinen Präsent oder einer handgeschriebenen Karte, über gedruckte Karten bis hin persönlichen Mails und Newslettern.

In diesem Blogartikel möchte ich, zugegebener Weise polarisierend, diskutieren, ob der ganze Aufwand wirklich sinnvoll ist und ob Weihnachtsgrüße in der Geschäftswelt ihren Nutzen erfüllen. Und ich möchte beleuchten, welche alternativen Wege es gibt, in dieser Zeit geschäftliche Wertschätzung zu zeigen - mit ganz unterschiedlichem Aufwand.



Beweggründe für den Versand von Weihnachtsgrüßen


Der Versand von Weihnachtsgrüßen hat in der Regel drei Beweggründe: Beziehungspflege, Marketing und/oder Tradition.


Beziehungspflege: Die Befürworter von Weihnachtsgrüßen betonen oft den Wert der Beziehungspflege. Die festliche Jahreszeit bietet eine Gelegenheit oder einen Anlass, Wertschätzung zu zeigen und die Geschäftsbeziehungen zu vertiefen.


Marketing: Man kann nicht leugnen, dass geschäftliche Weihnachtsgrüße auch einen subtilen Marketingaspekt haben. Das Branding wird in festlichen Farben präsentiert, und die Karten tragen oft das Logo des Unternehmens.


Tradition: Es ist keine Neuigkeit, dass Traditionen in der Geschäftswelt einen besonderen Platz haben. Handgeschriebene Karten und festliche E-Mails sind seit Jahrzehnten Teil des festlichen Protokolls.


Die Wiederholung desselben Rituals Jahr für Jahr birgt die Gefahr der Routine. Geschäftliche Weihnachtsgrüße können zu einer automatisierten Pflichtübung werden, bei der die eigentliche Wertschätzung und Dankbarkeit auf der Strecke bleibt. Diese Routine fällt also bei Standardausprägung in die Kategorie "Das muss ja gemacht werden" und kommt mit dieser Routine auch beim Adressat mit kurzer Aufmerksamkeit für die Karte oder die E-Mail an, aber die Wirkung ist überschaubar.


Positive Beispiele und Alternativen


Weihnachtskarte mit wirklich persönlicher Nachricht: Häufig werden heute Weihnachtskarten verschickt, in denen ein Standardtext gedruckt und ein kurzer ergänzender Gruß oder nur die Unterschrift handschriftlich ergänzt wird. Das ist natürlich besser, als ein pur gedrucktes Produkt. Aber es geht auch wertiger: Wenn man sich die Mühe macht und handschriftlich etwas ergänzt, schreibe doch ein oder zwei Sätze dafür, wofür du zu dem Adressaten dankbar bist oder teile deine Freude über ein konkretes gemeinsames Erlebnis oder Ergebnis mit.


Persönliches Treffen: Statt sich auf den Massenversand von Karten zu verlassen, könnte eine persönliche Geste weit mehr Wirkung zeigen. Ein individuelles Treffen, ein Anruf oder eine maßgeschneiderte Aufmerksamkeit könnten authentischer und nachhaltiger sein. Keine Frage, das ist aufwändiger als der Versand, aber hier gilt Qualität vor Quantität. In den letzten Wochen hatte ich zahlreiche Treffen und Telefonate mit Menschen, in denen wir die festliche Stimmung gelebt, das Jahr revue passiert und am Ende natürlich schöne Festtage gewünscht haben.


Weihnachtsgrüße mit Mehrwert: Zwei Unternehmen aus dem DiWiSH Netzwerk haben mit ihren jeweiligen Weihnachtsgrüßen einen aus der Masse hervorstechenden Ansatz gewählt. Im Jahr 2022 hatte das Softwareunternehmen UXMA aus Kiel Weihnachtsgrüße verschickt, in denen die Adressaten über einen QR Code die Möglichkeit hatten, deren Methodenkarten-Set für Kreativtechniken zu erhalten. Mit einem ähnlichen Ansatz versendet die Werbeagentur New Communication aus Kiel jedes Jahr Weihnachtsgrüße mit einer zum nachhaltigen Unternehmensansatz passenden Gimmick (dieses Jahr ein Fitnessband plus Übungshinweise am Arbeitsplatz).


Adventskalender passend zum Unternehmen: Ein weiteres, nachhaltigeres Beispiel ist ein zum eigenen Unternehmen passenden Adventskalender für Kunden und Partner. Das Engineering-Unternehmen Centerline Design hat dies in der Adventszeit getan: mit eigenem CI, einem Prototyping-Labyrinth als Thema, um das passende Türchen zu finden und mit einem persönlichen Ansatz der Verteilung an die Adressaten. Vorteil hier ist die Langlebigkeit der Ansatzes über die komplette Adventszeit.


Weihnachtsevent für Kunden und Partner: Deutlich aufwändiger, aber mit großem Mehrwert lassen sich hier die "Tannenbaumschlagen"-Events von Unternehmen die HWB Unternehmerberatung oder dem IT-Sicherheitsunternehmen NetUse als Beispiele aufgreifen. In beiden Fällen waren dies große Events mehr 500 bzw. 200 Gästen, bei denen die Gäste einen Tannenbaum nach eigenen Wünschen mit nach Hause nehmen konnten. Konzipiert als Ganztagesevent bleibt dann auch ausreichend Zeit, ausführliche Gespräche in festlicher Stimmung zu führen. Aus Sicht der geschäftlichen Beziehungspflege die Champions League in der Weihnachtszeit.


Ganz andere Alternative: Stellt sicher, dass ihr die Beziehungen über das ganze Jahr pflegt und nicht in der Zeit, wenn alle inflationär zum gleichen Anlass die Aufmerksamkeit des Kunden oder Partners bekommen wollen. Das ist vergleichbar, wie die Nachricht oder der Anruf am Geburtstag des Geschäftskontaktes. Nicht falsch verstehen: Gerne sollt ihr Weihnachts- und Glückwünsche versenden oder verbal übermitteln, aber was bleibt von dem 500. Pinnwandeintrag auf Facebook, der 100. persönlichen Nachricht oder Mail, dem 30. 2 min dauernden Anruf nachhaltig hängen?


Fazit:

Die Intention von Weihnachtsgrüßen oder aufwändigeren, beziehungspflegenden Aktivitäten in der Weihnachtszeit ist klar. In einem stark vernetzten Geschäftsumfeld, in dem persönliche Beziehungen mindestens genauso wichtig sind wie geschäftliche Fakten, dienen Weihnachtsgrüße als Möglichkeit, eine persönliche-emotionale Note in die Beziehungen einzubringen. Die festliche Jahreszeit schafft einen Rahmen, in dem Unternehmen zeigen können, dass sie ihre Geschäftspartner nicht nur als Kunden, sondern als geschätzte Individuen sehen. Der Aufbau persönlicher Bindungen kann wiederum langfristige geschäftliche Vorteile bringen, indem sie die Kommunikation erleichtern, Vertrauen schaffen und die Grundlage für zukünftige Kooperationen legen.


Trotz dieser Bestrebungen stehen geschäftliche Weihnachtsgrüße im digitalen Zeitalter vor Herausforderungen. In einer Welt der E-Mails und sozialen Netzwerke könnten handgeschriebene Karten als altmodisch erscheinen, während E-Mails Gefahr laufen, in überfüllten Posteingängen unterzugehen und pur gedruckten Karten eine sehr kurze Aufmerksamkeit geschenkt wird.


Um aus der Masse hervorzustechen, ist hier also entweder mehr Kreativität, mehr Aufwand oder ein antizyklisches Handeln wie die kontinuierliche Beziehungspflege außerhalb der gewöhnlichen Anlässen notwendig. In jedem Fall ist die persönliche Ansprache und ein Ansatz mit Alleinstellungsmerkmal sinnvoll.



So gesehen ist dieser Artikel meine persönliche Herangehensweise, eure Aufmerksamkeit zu diesem Anlass zu bekommen, auch wenn sie in diesem Fall sehr ungewöhnlich ist.

Obwohl ich in diesem Artikel auch kritische Töne zum Weihnachtsgruß geäußert habe, beende ich diesen Artikel damit, dass ich euch und euren Familien ein schönes Weihnachtsfest wünsche und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.


Ich danke allen, die mein Jahr 2023 mitgestaltet , mich gefördert und gefordert haben und freue mich auf ein spannendes 2024!


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